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Rückbesuch des Schüleraustausches mit Kluczbork (Polen) in Nürnberg und Haßloch im Jahr 2016

In diesem Jahr fand das Treffen im Rahmen des Rückbesuches der polnischen Schüler zunächst wieder außerhalb von Haßloch in einer Jugendherberge statt, sodass sich die Austauschpartner während der ersten vier Tage intensiv miteinander beschäftigen konnten. Gemischte Zimmerbelegungen, viele gemeinsame Aktivitäten und Erlebnisse sollten dieses „Zusammenwachsen“ der beiden Gruppen fördern. Leider herrschte beim Rückbesuch ein noch höheres Ungleichgewicht bei der Teilnehmerzahl der beiden Gruppen als im Herbst, sodass keine 1zu1-Begegnung möglich war. Dies resultierte sowohl aus der extrem hohen Teilnehmerzahl auf deutschen Seite, als auch den leider weiterhin geringen Zahlen auf der polnischen Seite.

Um die in Polen angestoßene Auseinandersetzung der Schüler mit der Veränderung der Beziehung unserer beiden Länder durch den Zweiten Weltkrieg zu vertiefen, trafen wir uns in Nürnberg. Hier, als zentrale Stätte des Nationalsozialismus, konnte auf ideale Weise dieser historische Kontext in den Rahmen der Begegnung eingebettet werden. Parallel konnten die polnischen Schüler aber auch Teile der deutschen Kultur und Traditionen erleben, die sich stark von denen in der Pfalz unterscheiden, sodass das landeskundliche Überblickswissen der Schüler anschaulich und mit eigenen Erlebnissen vertieft wurde.

 

Tag 1 - Montag:

Am Montag, den 30.05.2106, fuhren wir morgens mit dem Zug nach Nürnberg. Dies war mit einigen Komplikationen verbunden, da wir durch massive Verspätung der S-Bahn fasst unseren Anschluss in Mannheim verpasst hätten. In Nürnberg angekommen brach zunächst ein Unwetter über uns herein, was aber glücklicherweise schnell vorbei war, sodass wir vom Bahnhof quer durch die Innenstadt zur Jugendherberge laufen konnten. Diese liegt zentral auf einem Berg über der Altstadt und ist Teil der Kaiserburg. Wir wohnten also mit Blick über Nürnberg in historischen Mauern. Einige waren sogar in Turmzimmern im 9. Stock untergebracht.

Unsere Zimmer bezogen wir jedoch nicht sofort. Wir stellten nur unsere Koffer ab, trafen auf unsere polnischen Partner, die seit dem frühen Morgen bereits dort waren, und brachen sofort zum Reichsparteitagsgelände auf. Dort hatte Herr Jung zwei Führungen - eine deutsche und eine polnische - über das riesige Gelände für uns organisiert, sodass wir ein Gefühl für diese Stätte gigantischen Ausmaßes bekamen. Kongresshalle, Märzfeld, die große Aufmarschstraße und das Zeppelinfeld waren einige der Punkte, die wir anliefen. Parallel zur Führung bereitete man dort aber auch überall das am folgenden Wochenende dort stattfindende Festival „Rock im Park“ vor. Es standen also überall schon Bühnen und Buden und unzählige Arbeiter waren mit dem Aufbau beschäftigt. Anschließend besuchten wir das dazugehörige Dokumentationszentrum in der Kongresshalle, wo wir mit Audioguides auf polnischer und deutscher Sprache die Entstehung und das Wirken der Nazis an unzähligen Exponaten nachvollziehen konnten.

Danach fuhren wir zurück in die Jugendherberge, bezogen mit den polnischen Partnern unsere Zimmer und hatten ein gemeinsames Abendessen. Nach dem Essen gingen wir nochmal gemeinschaftlich nach draußen, um einige von uns vorbereitete Kennenlernspiele mit den Polen zu spielen. So lernte man gegenseitig nochmal die Namen kennen und erhielt erste Informationen über die Partner. Den Rest des Abends verbrachten wir in Kleingruppen in und um die Herberge.


Tag 2 - Dienstag:

Der Tag begann mit einem gemeinsamen Frühstück. Danach liefen wir zum Nürnberger Hauptmarkt, wo alljährlich auch der bekannte Christkindlmarkt stattfindet. Hier begann eine getrennte Stadtführung (deutsch/polnisch). Nachdem wir zwei Stunden einen ersten Einblick in die Stadt und Stadtgeschichte erhalten hatten, durften wir die Stadt in Kleingruppen selbst erkunden.

Nachmittags trafen wir uns wieder und hatten noch eine gemeinsame Führung durch die unterirdischen Tunnel der Stadt Nürnberg bzw. des Schlossberges. Hier erfuhren wir, dass die Tunnel zeitweise als Bierlager, Zisterne und im Krieg als Luftschutzbunker verwendet wurden. Dank dieser Tunnel starben in Nürnberg vergleichsweise wenige Menschen, während die Innenstadt zu 95% zerstört wurde. Der Tag endete erneut mit einem gemeinsamen Abendessen in der Jugendherberge. Anschließend konnte man in Gruppen noch etwas unternehmen oder mitgebrachte Gesellschaftsspiele spielen.

 

Tag 3 – Mittwoch:

Der Tag begann wieder mit einem gemeinsamen Frühstück. Heute fuhren wir mit dem Zug nach Bamberg, einer Stadt die im Vergleich zu Nürnberg fast überhaupt nicht im Krieg zerstört wurde. Man konnte hier noch viele mittelalterliche Gebäude und Gassen sehen, die weitgehend originalgetreu erhalten waren. Daher ist sie heute Weltkulturerbe. In Bamberg hatten wir erneut eine geteilte Tour in deutscher und polnischer Sprache durch die Stadt. Hexenverbrennungen, Braukultur, der Bamberger Reiter und der Kaiserdom waren nur einige der vielen Punkte, die während der Tour angesprochen wurden. Auch hier durften wir nach der Führung wieder die Stadt in Kleingruppen erkunden. Am Nachmittag ging es dann zurück nach Nürnberg.

In der Jugendherberge hatten wir wie immer ein gemeinsames Abendessen und gingen im Anschluss nochmal in die Stadt. Diesmal führte Herr Jung uns ins Germanische Nationalmuseum. Hier zeigten und erklärten uns zwei Guides viele Exponate der deutschen Kulturgeschichte, etwa die Truhe, in der die Reichskleinodien aufbewahrt wurden oder die Funde der mysteriösen goldenen Hüte, wie etwa in Schifferstadt.

 

Tag 4 – Donnerstag:

Am Donnerstag war unser Abreisetag aus Nürnberg. Nachdem wir gemeinsam gefrühstückt hatten, besichtigten wir die Kaiserburg und das Museums mit mittelalterlichen Ausstellungsstücken der Kaiserburg. Besonders interessant war der Blick vom Turm der Burg, da hier mit Fotos dokumentiert ist, wie die jeweiligen Blickachsen vor und nach dem Zweiten Weltkrieg aussahen. Aber auch die Nachbildung der Reichskrone, des Reichsapfels und anderer Kleinodien war beeindruckend. Mittags aßen wir zusammen im „Hans im Glück“ zu Mittag. Nach dem Essen besuchten wir den Tierpark, der allerdings zum Teil in einem nicht sehr ansehnlichen Zustand war. Dort bewegten wir uns erneut aufgeteilt in deutsch/polnischen Gruppen, sodass man gemeinsam ins Gespräch kam. Am Abend ging es dann zurück nach Haßloch, wo wir gegen 23 Uhr ankamen. Hier teilten wir uns dann auf, sodass unsere polnischen Partner jeweils Gast in einer anderen deutschen Familie waren.

 

Tag 5 – Freitag:

Wir trafen uns morgens in der Schule und starteten einen Rundgang durch unsere Schule, wobei unseren Gästen vermittelt wurde, was das Hannah-Arendt-Gymnasium so besonders macht. Beeindruckt von der deutschen Schulkultur starteten wir anschließend einen Rundgang durch Haßloch, sodass unsere Gäste nicht nur die Gastfamilien und unsere Schule kennenlernen, sondern auch das Leben in unserem Heimatort. Nach dieser Erkundungstour fuhren wir mit Bahn und Bus zum Hambacher Schloss. Hier erklärten wir unseren Gästen die historische Bedeutung des Schlosses und gaben einen Überblick über die Weinstraße und die gesamte Region. Anschließend wanderten wir durch die Ausläufer des Pfälzer Waldes zum Zeter Berghaus, wo wir uns mit pfälzer Spezialitäten stärkten. Der Heimweg führte uns dann durch die Weinstraße bis zum Bahnhof in Kirrweiler. Pünktlich mit betreten des Zuges setzte ein Wolkenbruch ein – wir hatten also wirklich großes Glück trocken zu bleiben. Den frühen Abend verbrachten wir dann in den Familien, bevor wir uns in größerer Gruppe noch privat trafen.

 

Tag 6 – Samstag:

Der Samstag war zur freien Verfügung, sodass jeder mit seinem Austauschpartner und der eigenen Familie etwas unternehmen konnte. Die meisten gingen zusammen in den Holiday Park, da Herr Jung Freikarten für die Austauschpartner organisieren konnte. Andere machten Ausflüge – etwa nach Mannheim. Leider war das Wetter nicht so gut. 
Um 18 Uhr war dann auch schon wieder die Abreise der Polen am Hasslocher Bahnhof. Hier trafen sich dann alle für eine gemeinsame Verabschiedung, bevor sich unsere Partner mit ein paar Lunchpaketen versorgt auf die Rückfahrt begaben.

Alles in allem fand ich, dass es ein gelungener Austausch war, auch wenn teilweise das Wetter etwas besser hätte sein können. Auch wir haben viel über die deutsche Geschichte und die Altstadt Nürnbergs erfahren, nicht nur unsere Gäste aus Polen. 
Mir persönlich hat der Austausch sehr gut gefallen und würde ihn sofort wieder machen.

 

Demnächst wird dieser Text mit einigen Bilder aus der zugehörigen Galerie illustriert.

Autor: Leon Wittmann und Julius Jung